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Der Gummidruck
Der Gummidruck ist kein Druck im landläufigen Sinne
(also kein Vervielfältigungsverfahren wie etwa ein
Hoch- oder Flachdruck), sondern ein Druck im fotografischen
Sinn, also ein Kopieren von fotografischen Negativen auf
licht-empfindliche Emulsionen.
Für die Verwendung zum Gummidruck eignen sich möglichst
rauhe Papiere wie Aquarell- oder Kupfertiefdruckpapier.
Das Papier muss für den Druck vorpräpariert werden,
indem es „geschrumpft“, das heißt in etwa
65° C warmem Wasser mindestens 30 Minuten lang gebadet
wird. Danach wird es in eine etwa 5%ige Gelatinelösung
eingebracht. Schließlich wird es getrocknet, und erst
jetzt ist es für den Gummidruck bereit.
Für diesen Prozess ist mit vier bis sechs Stunden zu
rechnen (bedingt durch die Trockendauer des Papiers).
Die Emulsion, die mit einem weichen Pinsel oder einer Walze
auf das präpa-rierte Papier aufgebracht wird, besteht
im Wesentlichen aus Gummi arabicum, Farbe und Kaliumdichromat.
Dabei wird arabischer Gummi in Wasser aufgelöst (z.B.
38 g auf 125 ml Was-ser für 5-6 Drucke im 50x60-cm-Format)
und Farbpigment (ca. 20 g) zugefügt; eine wässrige
Lösung aus Kaliumdichromat (20 g Chromat auf 120 ml
Wasser) wird dazugegeben, und diese Emulsion wird bei gelbem
Licht auf das Papier gestrichen oder gewalzt, danach wird
das Papier im Dunkeln getrocknet (die Schicht ist jetzt lichtempfindlich).
Für diesen Prozess sind etwa fünf bis sechs Stunden
anzusetzen, insgesamt sind für die Herstellung des „Fotopapiers“ also
etwa zwei Tage zu veranschlagen.
Belichtet wird mit UV-Licht (Tages- oder Lampenlicht). Dazu
wird ein Filmnegativ auf die Schicht gelegt, mit einer Glasscheibe
angepresst und dann (also im Kontaktverfahren) belichtet.
Entwickelt wird mit Wasser; dabei lösen sich die unbelichteten
Farb-Gummi-Teilchen, und es entsteht ein monochromes Farbpositiv,
das wiederum getrocknet werden muss, um die Schicht nun
wasserfest und haltbar zu machen.
Dieser Prozess dauert ebenfalls recht lange, da die Schicht
erst nach vielen Stunden durchgetrocknet ist.
Um einen Mehrfarbendruck zu erhalten, können (immer
nur nach völliger Durchtrocknung der vorher aufgebrachten
Schicht) weitere Farbschichten aufgebracht und wie beschrieben
bearbeitet werden.
Um die die Drucke haltbar zu machen, ist es notwendig, im
Papier verbliebenes Chromat zu entfernen. Das geschieht
in einem etwa 5%igen Alaunbad, in dem das Papier bis zu
zwei Stunden gebadet werden kann. Dabei wird ein Gelbschleier
des Chromats entfernt, und die Farben können klar
hervortreten. Danach wird das nun fast fertige Bild mindestens
eine Stunde gewässert, um Alaunreste rückstandslos
zu entfernen. Wieder wird getrocknet, und der Druck ist
fertig.
Für diese letzten Prozeduren sind nochmals sechs bis
acht Stunden notwendig, nicht gerechnet die Zwischenschritte
bei Mehrfachbelichtungen. Für einen einzigen Gummidruck
mit vier Farben sollte man also mit einer Woche Arbeit rechnen
!
Der Gummidruck ist zum Ende des 19. Jahrhunderts erfunden
und in verschiedenste Richtungen weiterentwickelt worden.
Da viele der künstlerisch tätigen Fotografen nicht
zufrieden waren mit den durch das Verfahren bedingten Ver-lusten
an Halbtönen (was andererseits ja einen besonderen Reiz
ausmacht), stellten sie eine Reihe von Auszugsnegativen nach
Art der Tontrennung her, was die Herstellung auch nur eines
Gummidrucks mitunter auf viele Wochen verlängerte.
Andere Fotografen experimentierten mit den unterschiedlichsten
Zugaben zur Schicht, die wie bei einem Ölbild gehöht
werden sollte, um sie den besonderen Wirkungen des Lichts
auf reliefartigen Oberflächen auszusetzen oder um sie
auch haptisch erfahrbar zu machen.
Beim Gummidruck wie auch bei den vielen anderen „Edeldruckverfahren“ ging
es den sog. Kunstfotografen wohl um zwei Aspekte: sich weit,
weit abzusetzen von den „Knipsern“, die nach
Einführung der „Kodak Nr. 1“, einer Box
mit Roll-film für einhundert (runde) Bilder, den Anspruch
der ernsthaften Fotografen, fotografische Arbeiten als Kunst
anzuerkennen, weltweit geradezu zunichte machten, und zum
zweiten, „Bilder für die Wand“ herzustellen,
die den Arbeiten der Maler in nichts nachstanden, um die
Fotografie endlich als künstleri-sche Technik etabliert
zu sehen.
Der Gummidruck und die vielen, vielen anderen Edeldruckverfahren
(wie Öl- und Ölumdruck, Carbro-Druck, Kohledruck,
Leimdruck etc.) beherrschten über dreißig Jahre
lang weltweit die Foto- und Kunstszene. Sämtliche Verfahren
verschwanden fast schlagartig nach der „Internationalen
Ausstellung des Deutschen Werkbunds <Film und Foto> in
Stuttgart 1929“.
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